Verfasst von: Kiefner Sabine | September 28, 2007

Langeweile in der Schule

Hochbegabte Kinder klagen oft über Langeweile im Unterricht. Ein zentrales Problem bei Unterforderung. Einige werden durch permanente Langeweile zu Träumern, schauen aus dem Fenster, schalten vollkommen ab und werden dadurch auffällig. Im schlimmsten Fall verpassen sie irgendwann den Anschluss, weil sie nicht mehr zuhören. Sie haben den Unterricht in der Schule nur als langweilig und die Aufgaben als zu einfach empfunden.

Andere SchülerInnen protestieren gegen die Langeweile im Unterricht lautstark. Sie stören den Unterricht, werden zu Klassenclowns oder fallen durch aggressives Verhalten auf.

Im Verlauf eines Beratungsgesprächs erklärte man mir, mein Sohn müsse lernen, Langeweile auszuhalten. Damals war er gerade einmal vier Jahre alt und mit der Langeweile im Kindergarten offensichtlich überfordert.

Auch später, als er bereits in der Grundschule war, hörte ich diesen Satz von den LehrerInnen immer wieder.

Aber kann man von einem Kind erwarten, permanente Langeweile als gegeben hinzunehmen und sich entsprechend zu verhalten?
Nicht zu stören oder zu träumen, sondern zuzuhören und sich interessiert am Unterricht zu beteiligen, so, wie es von ihm erwartet wird?

Ich denke, auf die Dauer sind SchülerInnen damit überfordert.
Außerdem ist permanente Langeweile frustrierend.
Das kennen wir aus eigener Erfahrung.

Wie verhält sich ein Erwachsener in einer Situation, in der er sich langweilt?
Er beginnt, sich am Kopf zu kratzen, mit den Händen zu spielen, auf dem Stuhl hin und her zu rutschen, in immer kürzeren Abständen auf die Uhr zu schauen. Frauen kramen in ihren Handtaschen oder spielen mit den Fingern in ihren Haaren. Irgendwann folgt ein Gähnen. Die Augen fallen zu.
Spätestens zu dem Zeitpunkt wird das Drumherum nicht mehr wahrgenommen, nicht mehr zugehört bzw. zugesehen. Die Gedanken schweifen ab.
All das läßt sich immer wieder bei Vorträgen, Konzerten, Gottesdiensten etc. beobachten.

Vor zwei Wochen hörte ich im Radio einen Vortrag über das sogenannte Bore-out Syndrom im Job, dem „Ausgelangweiltsein“.
Ein Syndrom, das vor allen Dingen dann auftritt, wenn ein Mensch im Job permanent unterfordert ist. Die Folgen sind, dass die betroffene Person bei der Arbeit abschaltet, als faul beschrieben wird, seine Arbeit nicht mehr oder nur noch unzureichend erledigt, unter psychosomatischen Beschwerden leidet und schließlich krank wird.

Fazit: In der Schule wird von Kindern verlangt, was selbst Erwachsene auf Dauer nicht bewerkstelligen können. Langeweile aufgrund permanenter Unterforderung auszuhalten.

Sicher für die Schulen die bequemste Lösung, wenn sich die Kinder dem Unterricht anzupassen haben.
Im Zuge der individuellen Förderung, die sich immer mehr Schulen auf die Fahne schreiben, wäre es ein erster Schritt, den Unterricht den Fähigkeiten der SchülerInnen entsprechend zu gestalten und sowohl auf Lernschwache als auch auf besonders begabte Kinder einzugehen.

Es sollte Aufgabe der Schule sein, der Langeweile keine Chance zu geben, damit die Kinder dem Unterricht gerne und interessiert folgen, statt ihn zu stören oder verträumt aus dem Fenster zu schauen und irgendwann vielleicht sogar den Anschluss zu verpassen.

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