Verfasst von: Kiefner Sabine | Oktober 8, 2007

Frühförderung gegen Bildungsarmut?

In einem Interview mit dem „Tagesspiegel am Sonntag“ sprach sich die Chefin des Wirschaftszentrums Berlin, Frau Allmendinger gegen das dreigliedrige Schulsystem aus und warnte gleichzeitig vor einer Zunahme der Bildungsarmut in Deutschland.
Es sei ein Fehler, das Augenmerk in puncto bessere Bildung nur auf Eliteuniversitäten zu legen. Viel wichtiger sei es, Geld in die Frühförderung der Kinder zu stecken, damit Potentiale frühzeitig entdeckt und entsprechend gefördert werden könnten.

Das hört sich in der Theorie gut an.

Individuelle Förderung für alle SchülerInnen – unabhängig ihrer sozialen Herkunft und den wirschaftlichen Verhältnissen der Familie.
So steht es schließlich auch im Schulgesetz.
Aber wie sieht es mit der praktischen Umsetzung aus?
Wie sollte ein Schulsystem aussehen, in dem allen Kindern die gleichen Bildungschancen gegeben werden können?
Kann eine Gesamtschule individuelle Förderung eines jeden Kindes leisten oder bleibt dann ein Teil der SchülerInnen wieder auf der Strecke?

Sich gegen eine frühe Selektion in verschiedene Schulformen auszusprechen ist die eine Seite, aber was wird dafür im Gegenzug konkret angeboten?

Frau Allmendinger spricht von Frühförderung, aber nicht davon, wie diese im konkreten Fall aussehen sollte, um allen Kindern gerecht zu werden.

Wie überhaupt kann eine individuelle Förderung in Klassen oder Kindergartengruppen von bis zu 30 Kindern aussehen?
Bleiben da nicht zwangsläufig all jene auf der Strecke, die nicht dem Durchschnitt entsprechen bzw. die irgendwie aus dem Rahmen fallen?

Es gibt so viele Fragen zu diesem Thema und wann immer ich sie stelle, ist die erste Antwort – Unterricht in kleineren Lerngruppen.
Davon sind die meisten Regelschulen aber weit entfernt.

Dass Frau Allmendinger in diesem Interview Bildungsarmut mit Hartz IV in Verbindung setzt, finde ich zu sehr verallgemeinernd.
Es gibt viele Hartz IV-Empfänger, die Wert auf eine gute (Aus)Bildung ihrer Kinder legen, denen lediglich die finaziellen Mittel dazu fehlen.
Alle Hartz IV-Empfänger gleich als bildungsfern bzw. bildungsablehnend zu sehen, halte ich für sehr gewagt und schlicht gesagt falsch.
Ist es nicht eher so, dass eine gute Bildung teuer ist und damit nur von den Menschen finanziert werden kann, denen entsprechende Mittel zur Verfügung stehen?
Dort denke ich, müsste angesetzt werden, wenn es um Bildungschancengleichheit geht.
Von daher wäre eine vorschulische Frühförderung für alle Kinder natürlich eine gute Möglichkeit, Bildungschancengleichheit zu verwirklichen.
Bleibt die Frage, wie diese Frühförderung aussehen soll, ob sie dann Pflicht für alle Kinder würde und wie das Ganze angesichts leerer Haushaltskassen finanziert werden soll.

Ich bin gespannt.

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